Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Arten der Teppichherstellung in Kirgisien: der Alakiis wird in einem Arbeitsgang gleich komplett hergestellt: Dazu wird auf einer Schilfmatte in gewünschter Größe die grob gereinigte, aufgelockerte Wolle lose ausgelegt, das Muster ebenfalls mit loser Wolle (oder gelegentlich aus Vorfilz geschnitten) aufgelegt, mit heißem Wasser begossen, eingerollt und in einem stundenlangen Prozess immer wieder geöffnet, gewendet, begossen, eingerollt, zugeschnürt, hin-und hergerollt, geöffnet,... So hat man am Ende einen Teppich aus einem Stück, ohne Nähte.
Viel aufwendiger werden die Shyrdaks hergestellt- die eigentlichen Berühmtheiten Kirgisistans. Ich beschränke mich hier folgend auf die einfachste Art, bei der für die Musterschicht lediglich zweierlei Farben verwendet werden: Zunächst werden in gleicher Methode wie bei den Alakiis, jedoch ohne Muster, zwei verschiedenfarbige Filze in gleicher Größe hergestellt und solange gewalkt, bis ein sehr fester stabiler Filz entstanden ist. Diese beiden "Matten" lässt man trocknen, legt sie dann akkurat übereinander, näht sie mit so vielen Heftstichen aneinander, dass sich beide Flächen nicht gegeneinander verschieben können, legt sie dann auf einen ebenen Untergrund und beginnt, auf der Oberseite mit Kreide oder einem Stück Seife ein traditionelles Muster aufzuzeichnen. Die Muster sind vielfältig und haben immer großen Symbolcharakter, werden außerdem oft gespiegelt. Sodann wird mit einem scharfen Messer oder einer Schere das Muster ausgeschnitten. Da beide Filze zusammengeheftet sind, erhalte ich zwei absolut deckungsgleiche Muster. Die Heftfäden werden entfernt, die Filzmatten auseinandergeklappt und nun werden die ausgeschnittenen Teile ausgetauscht- die eine Farbe gegen die andere. So erhält man zwei mustergleiche Teppiche, die aber in den Farben genau "umgekehrt" sind. Einen legen wir zunächst zur Seite und konzentrieren uns auf den anderen: die losen Teile müssen nun aneinander oder besser ineinander genäht werden, um wieder eine geschlossene Fläche zu bilden. Gleichzeitig wird in diesem Arbeitsgang auf der Oberseite- immer auf der Naht entlang- eine doppelte Zierkordel so aufgenäht, dass man die Stiche nur von der Rückseite erkennt. Ist das komplette Muster zusammengenäht, wird ein weiterer Filz in gleicher Größe (aus sehr dunkler Wolle wegen Schmutz) von unten an den Musterfilz entlang der Seitenränder angenäht und dabei auf der Oberseite wieder mit der Zierkordel versehen. Diese ist übrigens aus handgesponnener Schafwolle, zweifädig - einmal in Z- Drehung, einmal in S- Drehung und beim Aufnähen stark gedreht gegeneinandergelegt. Letztendlich wird der Teppich noch entlang des gesamten Musters durchgesteppt, um die Haltbarkeit zu verbessern. Die Herstellung der Shyrdaks ist immens zeitaufwendig und nicht selten arbeiten alle Frauen der Familie viele Tage gleichzeitig daran. Die Teppiche sind meist 2-3 m lang und 1- 1,5 m breit und- eigentlich unbezahlbar.